Freitag, 23. August 2024
Etappe 09 Olen nach Westdorpe
Und jetzt alle die Ukulele raus und mit einstimmen: "Somewhereover the Rainbow..." Die Tour ist auch gleichzeitig eine Art Digital Detox. Schon aus Zeit- und Energiegründen nutze ich das Handy ausschließlich, um Campingplätze und Supermärkte zu finden und zu bloggen. Also wenn gerade die Welt untergeht, bitte ich um eine kurze Nachricht oder einen Kommentar. Kleiner, unschöner Nebeneffekt des Medienentzugs ist jedoch, dass mir Ohrwürmer lange erhalten bleiben. Selbst wenn man den Song nur kurz im Supermarkt gehört hat. Vielleicht liegt's aber auch an der Etappe, denn die bot nicht sonderlich viel Abwechslung. Ich machte zunächst dort weiter, wo ich gestern aufgehört hatte und zwar am Albertkanaal. Bis nach Antwerpen begleitete mich der Wasserweg. Dann ging es in die Stadt und es zeigte sich, dass Belgien den Niederlanden in Fahrradfreundlichkeit in nichts nach steht. Das Queren der Stadt ging schnell und problemlos. Nun ging es weiter meist über Land und kleine Ortschaften. Abermals blies mir der Wind kräftig entgegen und zu allem Überfluss fing es auch noch an zu regnen. Schon etwas durchnässt entschied ich mich, an einem Campingplatz in Westdorpe Halt zu machen. Ich hatte zwar erst 90 km geschafft, der nächste Platz wäre aber noch weit weg und auch sehr abseits meiner Route gewesen. Hier steht daher jetzt mein Zelt inmitten von Apfelbäumen auf einem kleinen Bauernhof.

Jemand hungrig?


Donnerstag, 22. August 2024
Etappe 08 Aachen nach Olen
Ich bin im gelobten Land! Also zuerst im ersten, den Niederlanden und dann im zweiten, Belgien. Und ich könnte mich jetzt mal wieder darüber auslassen, wie furchtbar ich deutsche Verkehrsplanung, vor allem in den Städten finde und wie viel mehr Spaß es hier macht zu radeln. Ich gebe zu, es gibt teils zaghafte Ansätze, wie zum Beispiel in Aachen, wo schon etwas für den Radverkehr getan wurde. Im direkten Vergleich ist das aber immer noch herzlich wenig. Nun ja, ich genieße es hier einfach, so lange ich da bin und hoffe, dass wir irgendwann mal einen Verkehrsminister ohne Vakuum zwischen den Ohren bekommen.
Meine Etappe begann wie üblich früh in Aachen am Campingplatz und führte mich auf direktem Weg nach Maastricht. Dabei galt es noch die letzten (Festland) Höhenmeter der Hintour zu überwinden. Dies geschafft, kreuzte ich Maastricht von Ost nach West ohne Probleme oder Verzögerungen. Danach folgte ich dem Albertkanaal, der über einen -Überraschung - exzellenten Radweg verfügt. Nur der Wind, anfangs noch mäßig, dann wieder sehr streng wollte sich nicht mit mir verbünden. Zwar kam er meist nicht mehr frontal sondern schräg von vorn, es kostete trotzdem viel Kraft, sich gegen ihn zu stemmen und ihm abermals Kilometer um Kilometer abzuringen. Immerhin die Sonne schien ganz ordentlich, ohne mich gleich komplett zu grillen.
In Olen hatte ich schließlich genug für heute und kehrte auf einem Campingplatz ein. Hier lass ich jetzt meine müden Muskeln regenerieren. Denn viel zu tun ist hier sonst nicht, ich scheine der einzige Gast auf der Zeltwiese zu sein...


Mittwoch, 21. August 2024
Etappe 07 Bonn nach Aachen
Können wir dieses Sozialexperiment E-Scooter mal endlich beenden? Oder zumindest verhindern, dass man die Dinger überall "abstellen" kann? Mittlerweile erkenne ich an den Scootern, wenn ich mich einer Großstadt auch nur im entferntesten nähere. Denn dann liegen diese Gefährte überall herum, im Zweifelsfall direkt auf dem Radweg. Und dabei ist es egal, ob man noch mitten im Wald oder in der Feldmarkt fährt. Offenbar fährt man einfach soweit der Akku reicht und entledigt sich des Leihgeräts dann einfach. Irgendein armer Tropf wird es schon wieder einsammeln...
Die heutige Etappe startete wieder früh, am Rhein ging gerade die Sonne auf, als ich an ihm Richtung und dann durch Bonn fuhr. Das war dann aber schon alles an Idylle dieses Tages. Der Rest des Wegs war nicht sonderlich spannend, er führte meist entlang an Landes- oder Bundesstraßen oder über landwirtschaftliche Wege. Trotz eher flachem Gelände war es sehr kräftezehrend, denn der Wind wehte mir den ganzen Tag streng entgegen. Jeden Kilometer musste ich ihm abringen. Dennoch nahm ich einen kleinen Umweg in Kauf für ein persönliches Anliegen, welches mir schon länger vorschwebte. Ca auf der Mitte der Etappe bog ich ab und fuhr in ein abgesehen von vielen Schildern und Zäunen ganz schönes Waldstück. Am Ende des Weges führte eine Treppe hinauf. Oben angekommen taten sich dann aber die Tore zur Hölle auf und gaben den Blick frei auf das größte Braunkohleabbaugebiet Europas, den Hambacher Braunkohltagebau. Verglichen wird das Gebiet manchmal mit Mordor aus Herr der Ringe und der Vergleich ist gelungen. Aus der Ferne war das dumpfe Grollen der Bagger zu vernehmen mit denen RWE sich hier durch die Landschaft fräst und dabei alles zerstört, was im Weg ist. Quadratkilometerweise bleibt nur totes Land zurück. Beeindruckend war der Anblick, gleichzeitig auch erschreckend.
Mit gemischten Gefühlen ging es zurück auf die Straße und in den zähen Kampf gegen den Wind. Zwischenzeitlich fühlte es sich an, als käme ich gar nicht voran, schließlich erreichte ich dann aber doch mein Ziel Aachen, wo ich gedenke die nächste Nacht auf dem Campingplatz zu verbringen.

Mordor. Etwas schwierig das Ausmaß auf ein Bild zu bannen


Dienstag, 20. August 2024
Etappe 06 Bacharach nach Bonn
So langsam geht die Tour an die Substanz. Schon vor Beginn hab ich meine Oberschenkel gemerkt, da ich noch auf Goldmedaillenjagd fürs Deutsche Sportabzeichen gehen musste. Jetzt findet mein Körper immer neue Gründe mich davon zu überzeugen, doch lieber auf der Couch zu entspannen, statt Kilometer auf dem Rad zu reißen. Schon überraschend, was alles so weh tun kann am Körper... Aber solange es noch erträglich bleibt geht's weiter. Frei nach dem Motto: Pain ist temporary, glory lasts forever!
Immerhin die Etappe belohnte heute mit schöner Aussicht. Das obere Mittelrheintal hat seinen Status als Welterbe nicht umsonst. Der Fluss schlängelt sich hier durch die Landschaft, links und rechts gesäumt von Bergen. Der Radweg folgt zusammen mit Bahnlinien dem Flussverlauf weitestgehend und erlaubt schnelles vorankommen. Vorbei ging es an der Loreley bei St. Goa, Boppard und Spray. In Koblenz stattete ich noch kurz dem Deutschen Eck einen Besuch ab ehe ich mich weiter am Rhein flussabwärts bewegte. Kurz vor Bonn fand ich einen Campingplatz, auf dem ich tatsächlich schon einmal war. Ich glaube sogar auf meiner letzten Tour nach Amsterdam. Nach der Ankunft -ich durfte mein Zelt direkt aufbauen - folgte ich meiner üblichen Routine: Duschen, Klamotten waschen, Einkaufen fahren, Essen zubereiten, Abwaschen, Bloggen. Etwas Zeit bleibt mir noch vorm Schlafen, daher geht's gleich nochmal an den Rhein.

Premium Frühstücksplatz mit Fluss- und Bergsicht.


Montag, 19. August 2024
Etappe 05 Hanau nach Bacharach
Je ranziger der Campingplatz, desto netter die Leute. Zumindest traf das gestern voll zu. Der Platz war schön klein und der Besitzer, selbst offenbar sein bester Kunde sehr zuvorkommend. Das Sanitärgebäude passte mit sagen wir mal rustikalem Charme auch ins allgemeine Gesamtbild. Aber ich will mich nicht beschweren, solange irgendwo Trinkwasser aus der Leitung kommt und es eine Essens- und Getränkerückgabe gibt bin ich schon zufrieden.
Während ich mir den Bauch im angrenzenden Restaurant voll stopfte, hab ich einen Zeltnachbarn gewonnen. Werner, seine Zeichens Exilberliner zog neben mir ein. Er ist mit dem Mountainbike unterwegs. Ohne konkretes Ziel. Im Frühling ist er den Pilgerweg nach Santiago de la Compostela gefahren und war jetzt so angefixt, dass er jetzt einfach nochmal so losgefahren ist. Während wir beide von unseren Touren berichteten, gesellte sich dann noch Johanna zu uns. Sie hat auf ihrem Tourenrad schon über 100.000 km gerissen und war gefühlt schon überall in Europa. Unter anderem erzählte sie vom Nordkapp, wo sie vor ein paar Jahren war. Noch viele Fachsimpeleien und Erzählungen später löste sich die Runde schließlich auf.
Heute war meine Etappe sehr urban geprägt. Schon morgens in Hanau war viel los und das änderte sich auch vorerst nicht. Kurze Zeit später kam schon die eindrucksvolle Skyline von Frankfurt in Sicht. Die Uferpromenade war gut zu befahren und auch sonst kam ich ganz gut voran. Das änderte sich allerdings in Mainz, wo das Radwegenetz einem Labyrinth aus zusammengefrickelten und unterschiedlich befahrbaren Wegen gleicht. Aber auch hier fand ich schließlich einen Weg hinaus und folgte fortan dem Rhein in den der Main ja mündet. Bei einer Pause am Wegesrand bekan ich dann noch unerwarteten Besuch: Eine zutrauliche Bisamratte kletterte auf dem nahen See und erkundete die neuen Besucher im Revier. Da man aber per Schild schon aufgefordert wurde, nicht zu füttern, machte sie sich kurze Zeit später von dannen.
Im weiteren Verlauf der Etappe gelangte ich nach einiger Zeit zum landschaftlich interessantesten Teil des Rheins. Hier fahre ich nun schon zum dritten Mal und es ist immer wieder schön. Weinberge säumen das Flusstal, ebenso wie kleine beschauliche Städte. Bis nach Bacharach bin ich noch gekommen, wo ich abermals mein Lager für eine Nacht aufgeschlagen habe.

"Du hast doch bestimmt Futter!?"


Sonntag, 18. August 2024
Etappe 04 Wertheim nach Hanau
Für heute war den ganzen Tag Dauerregen angesagt. Das hatte ich gestern schon gesehen und mir meine Regensachen zurecht gelegt. Toll ist das Fahren damit trotzdem nicht. Irgendwann sind alle Sachen durch. Außerdem lässt sich mein Navi bei Regen nicht mehr bedienen und auch das Schalten der Gangschaltung gestaltet sich schwierig. Schon in der Nacht hab ich den Regen aufs Zelt prasseln gehört, am Morgen legte er aber eine Pause ein. Ich sprang trotzdem in mein Regenzeug packte zusammen und fuhr los. Die Wolken hingen tief und schienen bedrohlich dunkel, Regen gab es aber keinen. Mit mehr Glück als Verstand hab ich die Etappe tatsächlich komplett trocken überstanden.
Der Weg führte mich teils direkt am Main entlang gen Nordwesten. Auch heute musste ich oft von meiner Route abweichen, der Grund dafür waren aber Baustellen und Umleitungen. Letztere gab es auch am Tauberradweg, dort waren sie aber immer vorbildlich ausgeschildert. Hier am Main besteht da noch etwas Verbesserungsbedarf. Ohne Navi wär ich teils ziemlich verloren gewesen. Naja.
Im Laufe der Etappe erreichte ich nach Miltenberg, Wörth, Aschaffenburg und Seligenstadt. Schließlich kam ich in Hanau an und fand einen kleinen Campingplatz vor. Nach einem kurzen Telefonat - es war weit und breit niemand zu sehen - konnte ich bereits mein Zelt direkt am Ufer des Mains aufbauen. Direkt nebenan gibt es einen Biergarten, in dem ich gleich etwas gegen meinen knurrenden Magen tun werde. Denn da heute Sonntag ist wird es mit einkaufen und dann selber kochen schwierig.

Premium Campinglage inklusive Schiffsverkehr vor der Tür.


Samstag, 17. August 2024
Etappe 03 Schillingsfürst nach Wertheim
Für gewöhnlich halte ich mich ja an meinen Tourenplan. Aber was ich mir dabei gedacht habe, über Würzburg fahren zu wollen weiß ich auch nicht mehr so genau. Nach dem heutigen Start meiner Etappe ging es erst einmal kräftig bergab. So war ich schnell in Rothenburg ob der Tauber. Von hier an folgte ich dem Fluss auf dem Tauberradweg. Und der war so idyllisch, dass ich mich gar nicht mehr von ihm lösen wollte. Kurzerhand entschied ich mich daher, Würzburg auszulassen und bis zur Mündung der Tauber im Main zu radeln. Nun kann mein Navi leider nicht selber routen, sondern nur Karten und Strecken anzeigen. Das navigieren gestaltete sich daher etwas mühsamer. Aber es hat sich gelohnt! Der Tauberradweg schlängelt sich mit dem Fluss durch eine malerische Landschaft in der man sicher auch gut wandern kann.
Zwar musste ich dank vieler Baustellen oft Umwege in Kauf nehmen, das hat den gesamten Eindruck aber nur leicht geschmälert.
Auch das Wetter spielte mit reichlich Sonne heute mit und lenkte von den immer noch recht ausgelaugten Beinmuskeln ab. Nach gut 120km erreichte ich die Mündung der Tauber und kurz dahinter meinen Campingplatz. Hier konnte ich gleich einchecken, mein Zelt aufstellen und Futter besorgen. Wünscht mir Glück mit den veganen Cevapcici und Nudelsalat.

Es gab einige Hügel zu bezwingen. Diesen musste ich aber zum Glück nicht hinauf...


Freitag, 16. August 2024
Etappe 02 Donauwörth nach Schillingsfürst
Kanuclubs sind toll. Zumindest die, bei denen ich bisher zu Gast war. Denn sie bieten meist auch Radreisenden einen Platz zum Übernachten und WC und Duschen. Ohne sonstigen Schnickschnack. Und das beste ist, es gibt dort keine Dauercamper oder Glamper, die mich auf den herkömmlichen Plätzen oft argwöhnisch beäugen. Mein gestriger Platz war da keine Ausnahme. Aber so schön es auch war, heute ging es weiter Richtung Norden. Der Tag begann gleich super, denn ich fand einen Bäcker, der schon um 6 Uhr offen war und die Verkäuferin gab mir auf meinen reichhaltigen Einkauf sogar noch ein Croissant oben drauf. Mit vollem Bauch ging es dann weiter auf der Romantikstraße über Harburg, Nördlingen, Dinkelsbühl bis nach Schillingsfürst. Die Landschaft war dabei sehr abwechslungsreich und tatsächlich sehr schön. Nach gut 100km merkte ich dann den gestrigen Tag aber doch sehr in den Knochen und ich steuerte einen Campingplatz an. Hier angekommen haben die aber natürlich Mittagspause bis 15 Uhr! Hätte ich noch Kraft gehabt, ich wäre noch bis Rothenburg ob der Tauber gefahren. Aber ich muss mir nicht schon am zweiten Tag meinen Körper vollends ruinieren. So bleibt nur abwarten und hoffen, dass sie einen Platz für mich und mein Zelt haben und meine Wäsche trotz der fortgeschrittenen Uhrzeit noch trocken wird.

Alles total romantisch hier


Donnerstag, 15. August 2024
Etappe 01 Freising nach Donauwörth Reloaded
Auf den Spuren von Sherlock zu wandeln ist das Hauptziel meiner diesjährigen kleinen Spazierfahrt. Dafür soll es in die Hauptstadt des Vereinigten Königreichs gehen. Ansonsten alles wie gehabt, mein treuer Packesel Molly schleppt wieder Schlafsack, Zelt und gefühlt den Rest meines Hausstands. Die Routenplanung erwies sich allerdings als recht anspruchsvoll. So will ich diesmal nicht einen ganzen Monat Zeit investieren und musste daher von meinem initialen Plan über Paris nach England zu fahren Abstand nehmen. Jetzt soll es ein direkterer Weg sein. Abermals hoffe ich Molly und ich bleiben heil, der Wettergott gnädig und die Schmerzen erträglich.
Angefangen hat es schon mal ganz gut, ich kam früh los und fuhr begleitet von den letzten sich auflösenden Hochnebelfeldern durch den Landkreis Freising. Lang blieb ich hier jedoch nicht. Es folgten die Landkreise Dachau und Augsburg. Bis hierher wollte ich heute kommen, allerdings war ich schon mittags an meinem angepeilten Campingplatz. Das Wetter war aber so schön, dass ich beschloss, noch weiter zu fahren. In Donauwörth hatte ich einen Kanuclub mit Zeltwiese erspäht. Von Augsburg war dieser dann aber doch weiter entfernt, als ich dachte. Zudem legten die Temperaturen nochmal ordentlich zu und so kam ich mit meinen letzten Wasserreserven und kräftig durchgegrillt schließlich in Donauwörth an. Eine kalte Dusche und ein kühles "Sportsfreund Leichtes Weizen" weckte meine Lebensgeister wieder. Jetzt hoffe ich nur, dass sich der Pudding, der sich in meinen Beinen befinden muss bis morgen verschwunden ist.

Molly ist gesattelt und bereit. Ihr Fahrer auch?


Dienstag, 5. Juli 2022
Etappe 19: Wehdel nach Nordhastedt
The Eagle has landed, ich habe meine Heimat erreicht! Nach gut 2100 km bin ich heute wohlbehalten in Nordhastedt angekommen. Und das Pannen- und Unfallfrei. Dafür bin ich sehr dankbar.
Los ging es gewohnt früh in Wehdel. Die Nacht war sehr ruhig auf dem Platz, entsprechend gut hab ich geschlafen. Lediglich ein holländisches Ehepaar und ein anderer Reiseradler standen mit mir auf der Zeltwiese und sie schliefen noch tief und fest. So radelte ich nach dem Zusammenpacken los Richtung Wischhafen. Dort verkehrt die Fährlinie nach Glückstadt über die Elbe. Und ich hatte Glück, kaum angekommen, konnte ich die Fähre schon boarden. Wobei hier auch mindestens 4 Schiffe im Einsatz sind, lange hätte ich daher auch sonst nicht warten müssen. Die Fahrt war fast eine kleine Kreuzfahrt, denn die Elbe ist hier schon sehr breit. Ich genoss die Fahrt und nutzte die Zeit für ein zweites Frühstück. Auf der anderen Elbseite angekommen, folgte ich dem Elberadweg Flussabwärts. Zwar zogen sehr bedrohliche Wolken auf, außer ein paar Tropfen blieb es aber zu Glück trocken. Nach einiger Zeit löste ich mich vom Elberadweg und radelte am Nord-Ostsee Kanal bis nach Grünental. Der starke Wind machte mir das Radeln schwer, aber die Aussicht auf ein festes Dach über dem Kopf (mit einem echten Bett darunter) trieb mich weiter vorwärts. Und für die letzten Kilometer schwang sich auch noch Papa Euler in den Sattel und fuhr mir zur Unterstützung entgegen.

Von hier war es nicht mehr weit.

In der Heimat angekommen, genieße ich jetzt ein paar freie Tage, bevor es in das nächste Abenteuer geht: In Zeiten des 9-Euro Tickets mit der Bahn samt Fahrrad zurück nach Bayern kommen. Drückt mir die Daumen, dass das funktioniert. In diesem Sinne, danke für die Aufmerksamkeit! Euer Euler


Montag, 4. Juli 2022
Etappe 18: Dörpen nach Wehdel
Man mag es kaum glauben, aber in Mollys Schlappen ist immer noch Freisinger Luft *Holzklopfgeräusch*. Trotz diverser Glasscherbenhaufen und sonstigem Unrat auf der Strecke haben sie nichts zum Schlauch durchgelassen. Zugegeben, sie haben schon bessere Tage erlebt, einige Stellen fleddern schon aus, aber nach tausenden Kilometern ist das auch in Ordnung. Also ein Dank an Mr. Audi für die Empfehlung! Hast Recht gehabt, sind besser als die Schwalbe Marathons.
Die heutige Nacht war deutlich entspannter als die gestrige, der Platz lag etwas abseits an einem alten Bauernhof. So konnte ich Schlaf nachholen und wachte nicht ganz so gerädert auf. Nach der Morgenroutine setzte ich meinen Weg im Sattel fort, immer gen Osten. Leider konnte ich keiner großen Radroute folgen und so verlief der Weg oft an großen Straßen mit viel Verkehr. Aber immerhin war mir das Wetter wohl gesonnen es war meist sonnig mit ein paar Wolken. Geregnet hat es auch etwas, aber zum Glück nicht viel. Eine willkommene Abwechslung vom eintönigen Fahren an der Straße wartete in Brake in Form der Weserfähre auf mich. Sie schipperte mich einmal über den hier erstaunlich breiten Fluss. Am anderen Ufer fand ich dann den Schatz im Silbersee, ich meine den Campingplatz am Silbersee bei Wehdel. Aber der kam mir schon Recht, denn trotz Rückenwind wurden mir nach gut 140km die Beine doch lahm. Angetroffen hab ich hier zwar niemanden aber mir wurde telefonisch gesagt, dass ich schon mal mein Zelt aufstellen konnte. Anmelden könne ich mich später. So langsam wäre das aber tatsächlich ganz schön, wenn jemand auftauchen würde, denn ich möchte noch Duschen und Einkaufen...

Millimeterarbeit auf der Fähre


Sonntag, 3. Juli 2022
Etappe 17: Ijsslmuinden nach Dörpen
Tot ziens Fietsland! Und hallo Autoland, ich bin zurück! Kurz vor Etappenende überfuhr ich unbemerkt die Grenze zurück nach Deutschland. Dabei war das noch gar nicht geplant für heute. Aber der Wind verbündete sich mit mir und schob mich vorwärts, immer gen Ostnordost. Schön war es mal wieder in den Niederlanden, dem Radfahrer-Eldorado, ich werde dich mancherorts sicherlich noch bitterlich vermissen.
Los ging der Tag dagegen eher weniger gut, denn ich habe ganz grausam geschlafen. Drei deutsche Familien haben den Zeltplatz gestern in eine Räucherstube verwandelt. Im Gegensatz zum Tag stand die Luft und Zelte bilden nicht die beste Geruchsbarriere. Wie es scheint hat Cannabis, selbst passiv und in geringen Konzentrationen keinen guten Einfluss auf Euler'schen Schlaf und so machte ich lange kein Auge zu. Etwas gerädert stand ich dennoch früh auf und sattelte meinen Lastenesel.
Die Fahrt Ansicht verlief unspektakulär. Es ging meist durch landwirtschaftlich geprägtes Gebiet, ab und an durch einen Wald. In Dörpen empfang mich dann ein äußerst sympatischer Herr, der einen kleinen Campingplatz auf seinem Hof betreibt. Er ließ mich mein Zelt in einer kleinen Parzelle mit Sonne und Schatten aufstellen. Perfekt für Solarzelle und Zelt geeignet. Zur Feier des Vorrangkommend gibt es heute Döner (und auch weil ich gestern vergessen habe, den Sonntag mit Essensreserven vorzubereiten) ich muss nur noch das Gewitter abwarten, das sich hier gerade zusammenbraut.

Etwas Kultur gab es auf dem Weg dann doch noch zu bestaunen


Samstag, 2. Juli 2022
Etappe 16: Amsterdam nach Ijsslmuinden
Mein ursprünglicher Plan bestand darin, Amsterdam nordwärts zu verlassen und den Afsluitdijk, den Abschlussdamm zu befahren. Dieser trennt die Nordsee vom IJsselmeer und dient als wichtigstes Bauwerk zum Schutz gegen Sturmfluten. Leider wird er derzeit wegen des steigenden Meeresspiegels zukunftsfähig gemacht, sprich erhöht und ist mit dem Rad nicht befahrbar. Es gibt zwar einen Busshuttleservice, aber das war mir dann doch zu bequem. Plan B war daher die Überquerung des Houtribdijk, der das IJsselmeer vom Markermeer trennt. Dies war allerdings ein Kampf um jeden Meter, denn bereits am Vormittag wehte ein kräftiger Wind, der so ohne Strauch oder Baum das Vorankommen stark erschwerte. Gelohnt hat es sich aber, denn die Weite und das Radeln zwischen den Meeren war sehr eindrucksvoll. Schließlich erreichte ich die andere Seite, wo ich mir nach diesem Kraftakt eine kleine Pause an der Schleuse gönnte. Die Gelegenheit war günstig, denn just wurden ein großer Tanker und Segelschiffe geschleust. Plötzlich ertönte eine laute Stimme aus einem Lautsprecher. Verstanden hab ich zwar kein Wort, die aufheulenden Sirenen und Signalleuchten deutete ich aber als: Pause beendet, sieh zu, dass Du Land gewinnst. Denn unbewusst stand ich mitten auf der Hebebrücke, die sich nach meinem Verlassen in die Höhe reckte. Zum Glück hatte ich mich für die richtige Seite entschieden und so radelte ich weiter Richtung Leylstad, wo ich meinen zweiten Pausenteil am Hafen genoss. Bis nach Ijsslmuinden ging es anschließend noch, wo ich einen netten kleinen Platz für mein Zelt fand.

Ein nettes Abschiedsgeschenk am morgen aus Amsterdam


Amsterdam
Zufälligerweise hatte ich das perfekte Transportmittel für meine Stadtbesichtung bereits dabei. Dass man hier mit dem Fahrrad in DER Fahrradhauptstadt am besten vorankommt ist fast selbsterklärend. Dabei muss man aber schon auch gut aufpassen, dass man den fließenden Verkehr nicht behindert. Vor allem an den Ampeln gilt es sich richtig einzuordnen, um nicht zu einem Verkehrshindernis zu werden. Die nächste Herausforderung bestand dann darin, einen geeigneten Parkplatz für Molly zu finden. Denn zu den Must-Dos gehört natürlich eine Grachtenfahrt in der Innenstadt und das geht halt nur zu Fuß. Da hier hunderte Räder täglich entfernt werden, sollte der Abstellplatz wohl überlegt sein. So konnte ich die Fahrt auf den Kanälen der Innenstadt in Ruhe genießen. Vorbei ging es an den schönen Gebäuden der Stadt, die meist sehr schmal, hoch und leicht schief gebaut sind. Dazu gesellen sich eindrucksvolle Bauten aus verschiedenen Zeitaltern.
Nach der Fahrt ging es weiter mit dem Radl zum Vondelpark, dem größten Park der Stadt. Zum Glück hatte ich meinen Schirm dabei, denn es fing immer wieder an zu regnen. So war es ganz gutes Timing, denn in der Stadt ließen sich die Schauer gut abwarten. Nachdem ich viele Sehenswürdigkeiten abgeklappert hatte genoss ich noch etwas die guten Wege, den Großstadtflair und ließ mich einfach treiben. Gegen Abend ging es dann wieder samt Einkauf zurück zum Zelt, wo ich den Tag bei einem kalten Heineken ausklingen ließ.

Sint Nicolaaskerk


Donnerstag, 30. Juni 2022
Etappe 15: Doorn nach Amsterdam
Nach einer kurzen Etappe heute habe ich mein Zwischenziel Amsterdam erreicht! Es ging wie üblich früh morgens los. Ich ließ das Dauercamperparadies hinter mir und radelte meine letzten Kilometer am Rhein. Mein Urteil über den Rheinradweg fällt gemischt aus. Es gibt wirklich sehr schöne Abschnitte an diesem Fluss. Vor allem das Stück an der Loreley ist Klasse. Von Mainz bis Bonn ließ es sich prima radeln. Und natürlich auch auf den Strecken in den Niederlanden. Getrübt wird das Bild lediglich von der Radinfrastruktur in den großen deutschen Städten. Ich glaube beim nächsten Mal biege ich einfach wieder in Koblenz ab und nehme den Moselradweg ;).
In Utrecht winkte ich dem Rhein goodbye und orientierte mich gen Norden. Leider war das Wahrzeichen der Stadt - der Domtoren - seines Zeichens höchster Kirchturm der Niederlande von Baugerüste umzäunt und praktisch nicht zu sehen. Also ging es weiter, in nordwestlicher Richtung, der Aa folgend in Richtung Landeshauptstadt. Ich erreichte die Stadt durch das Bankenviertel im Süden. Durch die Stadt zu navigieren verlief problemlos und so erreichte ich zügig meinen angepeilten Campingplatz im Osten der Stadt. Hier bleibe ich ausnahmsweise mal zwei Nächte, morgen schaue ich mir die Stadt an und gönne meinem geschundenen Körper eine Ruhepause vom Radeln.

Nicht immer gibt es Schatten auf dem Platz. Da muss dann Molly auch Mal als improvisierter Ständer für den Sonnenschutz herhalten