Etappe 10: Heilbronn nach Heidelberg
Die heutige Etappe nach Heidelberg markiert auch schon meine Letzte für diese Tour. Zwar hätte ich noch ein paar Tage Zeit, aber für vernünftige Rückreisemöglichkeiten müsste ich noch mindestens bis nach Saarbrücken fahren. Und das schaffe ich in der restlichen Zeit nicht mehr. Außerdem kommen jetzt noch ein paar große Städte wie Mannheim, Mainz und Koblenz, auf die ich ohne Navi nicht wirklich viel Lust verspüre. Und man soll ja eh aufhören wenn es am Schönsten ist :)
Heute Nacht wurde es das erste Mal richtig kalt und auch die erste Stunde auf dem Rad am frühen Morgen war ... frisch. Zum Glück wärmte die Sonne meine steifen Finger irgendwann wieder auf und das Gefühl kehrte zurück. Der Weg verlief meist direkt am Fluß entlang. Dann passierte ich meine zweite innerdeutsche Grenze, nämlich die von Baden-Württemberg und schlagartig wurden die bisher wirklich fast durchweg guten Radwege zu Schlagloch- und Schotterpisten. Einen ähnlichen Unterschied hab ich schon am Main-Radweg von Bayern nach Hessen feststellen müssen. Immerhin war es nicht mehr weit bis Heidelberg. Dort angekommen fand ich einen Platz etwas außerhalb der Stadt direkt am Neckar. Und auch hier war ich zeitig genug für etwas Sightseeing. Zunächst machte ich mich auf zum Philosophenweg. Der Schlangenweg führt in Serpentinen hinauf und bietet, etwas Kondition vorausgesetzt, einen schnellen Weg nach oben. Dort angekommen hat man einen herrlichen Ausblick über die Stadt.
Zu spät war ich dann allerdings für den Königsstuhl. Die Bergbahn war bereits mit Touristen geflutet und zeigte über eine Stunde Wartezeit. Daher orientierte ich mich lieber Richtung Altstadt und stürzte mich dort ins Tourismusgetümmel.
Zeit für ein kleines Resümee: Es war wieder eine schöne Tour, wenn auch etwas kürzer als sonst. Den Donauradweg kannte ich ja bereits und er hat abermals nicht enttäuscht. Und auch der Neckarradweg ist in weiten Teilen sehr gut befahrbar und liegt in einer sehr sehenswerten Region. Ich bin auch sehr mit dem Rahmenprogramm zufrieden. Das Benz Museum, das Salzbergwerk und die Experimenta waren alles gute Zeitinvestitionen. Und zur Abwechslung war es auch mal ganz nett, nicht jeden Muskel meines Körpers völlig zu verausgaben und sich auch nach dem Radeln noch bewegen zu können. :)

Ist der Ausblick vom Philosophenweg nicht großartig?
eleuler am 20. Juli 26
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Tag 9: Heilbronn
Da ich (mit Ausnahmen) nie weiß, wo genau ich übernachte, plane ich im Vorfeld nur die Streckenführung meiner Tour. So auch dieses Mal. Da ich dieses Jahr aber mehr auf den kulturellen Aspekt der Reise achten will, schaue ich jeweils kurzfristig, welche Museen oder Sehenswürdigkeiten sich vor Ort lohnen würden. Das Salzbergwerk gestern war ein ziemlicher Glückstreffer, aber es gab noch eine weitere lohnenswerte Aktivität in der Region: Die Experimenta in Heilbronn. Da es dafür aber sinnvollerweise einen ganzen Tag braucht, machte ich heute nochmal Tourpause und verbrachte den Tag in dem Wissenschaftszentrum. Selbiges bietet eine Vielzahl an Experimenten, Stationen und Aufgaben zum selber machen und lernen. Die Zielgruppe sind zwar sehr eindeutig Kinder und Jugendliche, aber auch als Erwachsener lohnt sich ein Besuch. Highlight für mich war das moderne Planetarium, das eine Dokumentation in 3D über das Apollo Programm zeigte. Außerdem gab es auch eine Tour durch die Sternwarte. Wir hatten Glück, die Wolken gaben die Sicht auf die Sonne frei, wodurch sich Sonnenflecken und mit einem speziellen Filter sogar Sonnenprotuberanzen beobachten ließen. Alles in allem war ich beeindruckt, wie modern, gepflegt und vielfältig das Angebot war. Der Besuch war auf jeden Fall lohnenswert!

Blick von der Dachterrasse auf Heilbronn
eleuler am 19. Juli 26
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Etappe 8: Stuttgart nach Neckarsulm
Wenn man wie ich das Kartengedächtnis eines Goldfisches und den Orientierungssinn einer Eule bei Tag hat, ist das Navigieren ohne Navi schon eine Herausforderung. Ich bin fast ein bisschen Stolz darauf heute nur dreimal kilometerweit in die falsche Richtung geradelt zu sein.
Start heute morgen war wieder früh, denn ich wollte nicht mehr viel länger auf dem Campingplatz bzw. in Stuttgart bleiben. Der Platz war zwar günstig zum Automuseum gelegen aber auch ganztägig extrem laut. An Schlafen ohne Ohrstöpsel war nicht zu denken. Außerdem glich der Zeltplatz mehr einer Ameisenkolonie. Und ich kam auch mit der Luft nicht gut klar. Selbst die vielen Gewitter haben es nur kurzzeitig besser gemacht. So war ich froh, diesen Ort zu verlassen und meinen Weg am Neckar fortsetzen zu können. Überraschend schnell ließ ich die Großstadt hinter mir und durfte einem malerischen Sonnenaufgang in den Weinbergen beiwohnen. Den Rest der Etappe hüllte sich die Sonne dann aber eher in dichte Wolken, bis sie sich erst kurz vor meiner Ankunft wieder zeigte. Bis nach Neckarsulm fuhr ich noch, hier fand ich einen Campingplatz außerhalb der Stadt, auf dem es hoffentlich etwas ruhiger zugeht.
Da es nach meiner Ankommensroutine noch früher Nachmittag war entschied ich mich, dem nahegelegenen Salzbergwerk einen Besuch abzustatten. Hier ging es 180m in die Tiefe des Erdreichs. In den Stollen wird seit vielen Jahren Salz abgebaut. Einige der ehemalig aktiven Stollen sind jetzt begehbar. Riesige Kammern zeugten von reicher Ausbeute: Die Salzschichten sind hier bis zu 35m stark. Auf dem Weg durch die Stollen lernte der Besucher über die technischen Fortschritte beim Abbau, sowie der Geschichte, inklusive der dunklen NS Vergangenheit. Zum Schluss rundete noch eine Lasershow den Rundgang ab. Alles in allem sehr empfehlenswert. Beim Abendessen auf dem Campingplatz traf ich dann noch auf Bekannte. Zwei e-Bike-Radler vom Stuttgarter Campingplatz hat es auch hierher verschlagen. Gar nicht so ganz überraschend, denn so viele Campingmöglichkeiten gibt's hier auch nicht. Trotzdem ganz nett, wir haben schon vor 2 Tagen geredet und auch heute Geschichten ausgetauscht.

Lasershow unter Tage
eleuler am 18. Juli 26
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Tag 7: Stuttgart
Ich reise dieses Mal mit (für mich) leichtem Gepäck. Die Küchenausstattung mit Kocher, Spiritus, und Zubehör ist zu Hause geblieben. Außerdem hab ich mein luxuriöses Osprey-Zelt gegen mein kleines Einmannzelt getauscht, das ich sonst zum Biwakieren nehme. Jetzt durfte sich das Zelt zum ersten Mal unter Beweis stellen, denn gestern Abend zog ein kräftiger Gewitterschauer über Stuttgart. Heute dann ein Hagelsturm mit großen Hagelkörnern und kräftigen Böen. Jetzt weiß ich auch, warum da ein Kit dabei war, um die Nähte abzudichten. Das könnte ich vielleicht nochmal machen... Ansonsten hat es den Belastungstest aber ganz gut weggesteckt. Und tatsächlich ist es bei starkem Regen ganz heimelig im Zelt. Und auch ohne den Kocher komme ich ganz gut klar. Im Supermarkt gibt es die Convenience-Produkte, die ich sonst eher meide, die jetzt aber -ohne Küche- ganz praktisch sind. Naja, und Restaurants gibt's ja auch überall...
Aufgrund der schlechten Wetteraussichten hab ich mich schon gestern dazu entschieden, eine Tourpause einzulegen und stattdessen dem Mercedes-Benz-Museum einen Besuch abzustatten. Dieses liegt günstigerweise in fußläufiger Entfernung zum Campingplatz, sodass Molly in ihrer Garage unter einer Brücke auf dem Platz pausieren konnte. Das Museum war sehr modern und großzügig gestaltet, allein das Gebäude ist schon ein Hingucker. Im Inneren lernt man viel über die Entwicklungen des Unternehmens vom ersten Automobil bis hin zur Gegenwart. Auch zeitgenössische Infos erhält der Besucher zur Einordnung in den geschichtlichen Kontext. Alles in allem hat es sich sehr gelohnt einen Großteil des Tages hier zu verbringen, auch wenn nicht zu übersehen war, dass das Unternehmen in einem extrem positiven Bild dargestellt wurde. Aber gut, das war sicher auch so zu erwarten.
Nach der großen Runde durchs Museum ging es dann erstmal zum Essen und Einkaufen. Und jetzt regnet es schon wieder kleine Eisbrocken auf mein Zelt. Sagen wir mal so: Ich bereue die Radlpause von heute nicht

Reichlich auf Hochglanz polierte Exponate zeugen von der langen Unternehmensgeschichte
eleuler am 17. Juli 26
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Etappe 6: Tübingen nach Stuttgart
Ois a glump! Viel bayrisch kann ich ja immer noch nicht. Aber der Ausdruck gehört mittlerweile dazu. Und er passt gerade gut, denn mein Garmin Navi ist einen leisen Tod gestorben. Plötzlich wurde das Display immer kontrastärmer, bis es ganz ausging - und nie wieder an. Jetzt ist der Neckarradweg ganz gut ausgeschildert, zumindest außerhalb großer Städte. Nicht jedoch in Stuttgart, wo sich mein heutiger Zeltplatz befindet. Hierher zu finden war ohne Navi schon sehr aufwändig. Man hat in dieser klar für Autos gebauten Stadt schon seine liebe Not, auf den Verkehr zu achten und dann auch noch einen Blick auf die spärlichen Schilder zu erhaschen. Und ich bin noch nicht mal weit in die Stadt hineingefahren. Bisher steht die Euler-Skala daher so bei 3, was ggf. aber auch der mangelnden Navigationshilfe geschuldet sein könnte.
Die Etappe verlief sonst recht ereignisarm, denn über weite Teile lag das Land in tiefem Nebel, der sich bis weit in die Morgenstunden hielt. Erst später klarte es auf und gab die Sicht frei. Als ich es dann inkl. ein paar Umwegen schließlich bis zum Campingplatz geschafft hatte, stand mein Zelt schnell, sodass ich noch Zeit für einen Stadtbummel in Stuttgart hatte. Mit der Stadtbahn ging es in die Innenstadt, denn Molly hatte genug vom Stuttgarter Verkehr. Das neue Schloss war leider von Baugerüsten gesäumt, aber die Ev. Stiftkirche, der Karsplatz und die Markhalle waren frei zugänglich. Und auch mein kulinarisch (geographischen) Burgerhorizont konnte ich erweitern :)

Der Schwanennachwuchs hat es gut: Zwei Mama und Papa übernehmen hier die Navigation
eleuler am 16. Juli 26
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Etappe 5: Oberndorf nach Tübingen
Der Zeltplatz gestern war ziemlich leer, spät am Nachmittag traf aber noch ein Gast ein. Mit Fahrrad. Und Wohnmobil. In einem Gefährt. Stolz erzählte er mir am Abend, dass er sein WomoFahrrad selbst konzipiert und gebaut hat. Es handelt sich um ein Dreirad mit 550W Solarleistung in Form von 5 Paneelen auf dem Dach. Der Lenker lässt sich wegklappen, sodass man eine Liegefläche erhält. Er ist gut 3 Wochen unterwegs und hat bisher nur Sonne getankt. An die Steckdose musste er die Zeit über nicht. Sehr beeindruckend, ich war doch etwas neidisch :)

So zu reisen könnte ich mir durchaus auch vorstellen
Meine heutige Etappe startete wieder mit gehörig Verzögerung. Nach kurzer Fahrtzeit machte ich eine ausgedehnte Frühstückspause und ließ ein Gewitter nördlich von mir passieren. Das ständige Grollen des Donners begleitet von gar nicht so weit entfernten Blitzen bestätigte mir, dass diese Zwangspause durchaus gerechtfertigt war. Zwar verlor ich viel Zeit, aber mein Tagessoll war mangels Campingoptionen auch nicht sehr weit. Der nächste Platz hinter Tübingen war bereits in Stuttgart, was abermals deutlich über 100km gewesen wären. Daher schlug ich auf einem Platz in Tübingen mein Zelt auf und da ich danke kurzer Strecke noch reichlich Zeit hatte, nutzte ich selbige für einen Ausflug in die Stadt. Nach einem Besuch der Neckarinsel, der Stiftungskirche und des Rathauses schlenderte ich noch ein wenig durch die Innenstadt. Danach ging es noch hoch zum Schloss, von wo aus man einen schönen Blick über die Stadt und das Umland hatte. Alles sehr sehenswert, Tübingen hat eine wirklich schöne Altstadt. Und noch etwas fällt auf: Die Stadt ist voller RadfahrerInnen. Und das bei teils erheblichen Steigungen in der Stadt. Der Radverkehr verläuft auch teils in der Mitte der Straße auf extra ausgewiesenen Randstreifen - mit eigenen Lichtzeichen. Was erstmal nach Himmelfahrtskommando klingt, funktioniert aber tatsächlich ganz gut, man muss sich nur dran gewöhnen - und genau wissen wo man hin will. Schnelle Spurwechsel sind wie beim Autofahren meist eher schwierig. Dafür ist man mitten im Verkehr und wird nicht so einfach übersehen, z.B. beim rechts abbiegen.

Schön schön hier
eleuler am 15. Juli 26
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Etappe 4: Tuttlingen nach Oberndorf
Heute war Flussquellentag! Denn an gleich Zweien war ich auf meiner heutigen Etappe. In Donaueschingen "entspringt" die Donau und nimmt ihren Lauf bis zum schwarzen Meer. Vor 10 Jahren bin ich schon mal den Donauradweg gefahren, allerdings kurz vor der Quelle Richtung Bodensee abgebogen. Es diesmal bis zur Quelle geschafft zu haben war ein schöner Abschluss des ersten Teilabschnitts. Dabei folgte der Tag diesmal nicht der üblichen Routine, denn nach dem Abbau meines Zeltes und kurz nach Tourstart ging ein kräftiger Gewitterschauer nieder, der mich zu einer ausgedehnten Pause zwang. Dank Wetterradar konnte ich aber vorplanen und den Schauer gut geschützt in einer überdachten Brücke verbringen. Gesellschaft leistete mir dabei Baumschubser Friedl :)

Der Brückenwächter. (Hochformat bleibt eine mobile Herausforderung. Hab halt kein iPhone...)
Nach dem Besuch der Donauquelle hielt ich mich an die Brigach und überquerte mit reichlich Höhenmetern die Europäische Wasserscheide. Und dann war auch schon die Neckarquelle in Sicht. In einem schönen Park in Villingen-Schwenningen rann ein nett in Szene gesetzter kleiner Bach entlang. Fortan war dies mein Wegbegleiter Richtung Norden. Trotz der morgendlichen Abkühlung wurde es abermals sehr warm und so war ich nach 100km froh, auf dem nächsten Zeltplatz, diesmal in Oberndorf Stellung für eine Nacht zu beziehen. Der Platz liegt günstig direkt an meiner Route und bietet neben einer Zeltwiese auch noch einen Minigolfplatz und einen Imbiss. Nachdem ich meine Klamotten gewaschen und zum Trocknen aufgehängt habe schau ich dort vielleicht nochmal vorbei.

Die erste Quelle
eleuler am 14. Juli 26
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Etappe 3: Riedlingen nach Tuttlingen
Der Naturpark Obere Donau ist schon ein schönes Fleckchen Erde. Dem Fluss stellen sich hier teils hohe Felsen in den Weg, um die sich das Wasser durch die Landschaft mäandert und mit ihm der Donauradweg. Während der erste Teil der Etappe noch urbaner geprägt war, es ging u.a. durch Mengen und Sigmaringen, verlief der Weg danach eher durch Wald und Wiesen, der Donau immer dicht folgend. Während die Straßen dadurch von vorwiegend Asphalt zu Sand und Schotterwegen wechselten, hatte es doch einen entscheidenden Vorteil: Es gab viel Schatten, was es doch deutlich angenehmer zum Radeln machte. Denn auch heute war die Sonne wieder am Start. Fragt sich nur, wie lange noch, denn die Wetteraussichten haben sich deutlich eingetrübt. Bereits morgen ist kräftig Regen angesagt. Mal schauen was das wird... Heute bin ich jedenfalls nochmal früh vom Zeltplatz losgekommen. Während alle anderen Radler noch fest schliefen, rollte ich vom Platz und meinem heutigen Ziel - Tuttlingen - entgegen. Hier gibt es eine Zeltwiese von der Stadt, die das Nötigste bietet. Und eine erfrischende kalte Dusche weckte die etwas überhitzen Lebensgeister auch wieder.

Schön hier :)
eleuler am 13. Juli 26
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Etappe 2: Günzburg nach Riedlingen
Durch zwei Großstädte bin ich bisher gefahren: Augsburg und Ulm. Und bevor ich jetzt wieder anfange mich darüber auszulassen, wie furchtbar deutsche Großstädte hinsichtlich ihrer Radinfrastruktur sind, klassifiziere ich sie gleich anhand der Euler-Skala. Diese erlaubt eine eindeutige und absolut objektive Bewertung der Infrastruktur vor Ort. Sie basiert auf den Erfahrungswerten ihres Namensgebers und reicht von 0 - vierspurige Autobahn ohne Standstreifen über 1 - Nahtoderfahrung in Duisburg bis hin zu 10 - paradiesische Zustände (oder auch: Die gesamte Niederlande). Augsburg kommt dank ständigem Stop-and-Go an auf Autos abgestimmten Ampeln, aber sonst halbwegs brauchbaren Radwegen auf eine 4.5, Ulm dank Radweg an der Donau, aber vielen Baustellen auf eine 5.5.
Die heutige Etappe verlief auf dem Donauradweg, mal näher und mal etwas weiter vom Fluss entfernt. Bei jedem Besuch wurde der Fluss etwas schmaler, während er in Günzburg noch eine stattliche Breite hatte schwand er immer weiter. Aber noch ist er weit von nur einem Rinnsal entfernt.
Da es auch heute wieder schnell brutal warm wurde, steuerte ich nach knapp 100km einen kleinen Zeltplatz in Riedlingen an. Ich war der erste Gast des Tages und konnte noch frei meinen Stellplatz wählen. Unter einer Schatten spendenden Linde schlug ich mein Zelt am Nachmittag auf und wusch mir den Dreck der Straße von der Haut. Und jetzt schau ich mal, dass ich was zu essen bekomme, ich bin am Verhungern.

Manchmal sind die ganzen schönen Höhenmeter auf einen Schlag wieder dahin. Hier brauchte man gute Bremsen...
eleuler am 12. Juli 26
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Etappe1: Freising - Günzburg
2026 ist ein hervorragendes Fahrradjahr! Denn die Patentierung der Fortbewegungsmöglichkeit mittels rotierenden Pedal jährt sich zum 160ten Mal. Höchste Zeit also wieder in die Pedale zu treten! Wie üblich startet meine Tour in Freising und führt irgendwo hin. Bis wohin genau bleibt diesmal offen, denn ich hab noch kein Rückfahrticket gebucht. Nur eins steht fest: Eine Genießertour soll es werden! Ohne den Druck irgendwann genau irgendwo sein zu müssen. Das Ziel liegt dabei nicht auf möglichst vielen Kilometern, sondern auf dem Genuss der Tour.
Und wie es sich für eine vernüftige Euler-Tour gehört hab ich die guten Vorsätze an Tag 1 komplett ignoriert und bin direkt mit über 130km eingestiegen. Das hatte aber auch einen guten Grund. Nach 80km erreichte ich Augsburg und da ich zeitig los gekommen bin, war es erst 11:15h. Und wieder zeigte sich ein altbekanntes Problem: Der angepeilte Campingplatz machte sage und schreibe 4 Stunden Mittagspause, von 11 bis 15 Uhr. Da ich schon öfter in Augsburg war, entschloss ich mich noch weiterzufahren. Auf dem Weg traf ich noch einen anderen Radler, der seine liebe Not hatte, sein Rad zu flicken. Die Verständigung gestaltete sich allerdings etwas schwierig, denn nur, dass er aus der Ukraine stammte konnte ich von ihm erfahren. Ich überließ ihm daher mein Flickenset und hatte fortan drei Missionen: Ankommen, kein Loch in den Reifen bekommen und ein neues Set besorgen. Letzteres gestaltete sich allerdings schwieriger als ich dachte. Letztendlich erreichte ich (ohne neues Set) Günzburg, wo ich die Nacht auf einem Zeltplatz verbringe. Morgen geht's dann auch wieder früh los, denn die Hitze hat mich heute schon ordentlich durchgegrillt.
eleuler am 11. Juli 26
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Tag 18 und 19 Brüssel
Meine Tour neigt sich langsam aber sicher dem Ende. Morgen geht es per Bus erst nach Aachen und dann weiter heim. Ursprünglich wollte ich die 150 km bis Aachen noch radeln, aber jetzt sind 2,5 Tage in Brüssel draus geworden. Und ich bereue nichts, denn es waren wirklich tolle Tage hier! Von der Sightseeingtour hab ich ja schon berichtet. Am zweiten Tag stand fast alles im Zeichen der Wissenschaft und Technik. Denn nach nur einem kurzen Abstecher zu Brandenburger Tor-double, ging es ins Naturwissenschaftliche Museum und ein paar Millionen Jahre zurück in der Zeit. Denn die Besuchenden erwartete die größte Dinosaurierausstellung Europas. Bzw. das, was von den Riesenechsen noch übrig war: Die versteinerten Knochen. Viele der Skelette waren aufwendig aufgearbeitet und eindrucksvoll in Szene gesetzt. Sehr beeindruckend. Sie hatten auch noch ein paar andere Exponate, aber die Saurier waren definitiv die Hauptattraktion. Am Nachmittag sprang ich dann zeitlich wieder nach vorn, genauer gesagt ins Zeitalter der Dampfmaschinen. Die Brüsseler Train World bietet eine Ausstellung von historischen Zügen, nicht nur angetrieben von Dampf, sondern auch Diesel und Elektrizität. Dazu ließen viele Informationen und Ausstellungsstücke über Eisenbahntechnik mein Ingenieursherz höher schlagen. Herzstück der Ausstellung ist eine 4-4-2 Typ 12 Atlantik, die aufwendig mit Sound und Lichteffekten versehen wurde. Gänsehaut inklusive. :)
Heute blieb es zunächst wissenschaftlich mit einem Besuch der kubisch-raumzentrierten Elementarzelle eines Eisenkristalls. Etwas vergrößert, also ein paar Millionen Mal. Auch bekannt als das Atomium. Ich war früh dran und durfte als einer der ersten in das Bauwerk. Schon von außen ließ es einen staunen. Die erst kürzlich renovierten Edelstahlkugeln spiegelten den Boden und den Himmel. Und von oben hat man eine Klasse Ausblick auf die Stadt. Damit nicht genug, innen ist auch noch eine Lichtershow installiert, die den Besuch abrundet. Ein wirklich lohnenswerter Besuch! Nicht ganz so spektakulär das Mini-Europa gleich nebenan. Der Park wirkte auf mich etwas lieblos daher ging es gleich weiter zu Politik- und Geschichtsunterricht
Das Parlamentarium bietet seinen Besuchenden allerlei Informationen über die europäischen Institutionen, wie die Kommission, den Rat und das Parlament sowie einen Überblich über die geschichtlichen Zusammenhänge und Entwicklung hin zu heutigen Europäischen Union. Und im Haus der Geschichte Europas lernt man gleich die ganze Geschichte des Kontinents. Alles super medial aufbereitet und modern gestaltet. Auch hier hat es mir sehr gut gefallen.
Tja und damit war es das dann auch schon wieder mit meiner Spazierfahrt, diesmal auch inklusive etwas Rahmenprogramm. 1700 km sind doch noch zusammengekommen, 5 Länder und zwei Europäische Hauptstädte. Dazu noch den Abstecher nach Mordor haben mich alle Tourenziele erreichen lassen. Ich bin abermals froh, dass Molly und ich heil geblieben sind und dass auch sonst alles glatt lief. Jetzt muss ich nur noch heil zu Hause ankommen, wünscht mir Glück.
Euler out.

Sieht es nicht toll aus?

Da war ich doch grad erst!

Hach. Dampfloks haben doch etwas majestätisches, oder?
eleuler am 02. September 24
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Etappe 17 Gerhardsbergen nach Brüssel
"Jetzt erzählt er wie hart und unkomfortabel das Tourenleben so ist und bucht sich einen Tag später ein Hotelzimmer mit bequemen Bett! Wie passt denn das zusammen?"
Gar nicht. Aber ich kann das erklären ;)
Ich bin spät dran. Laut Tourenplan wollte ich eigentlich schon gestern in Brüssel sein und heute einen Tag in der Stadt verbringen. Aber ich habe die Etappe nach und von London unterschätzt und auch nicht mit so viel Gegenwind gerechnet. Deshalb hänge ich etwas hinterher. Und bisher konnte ich immer Campingplätze in Stadtnähe finden, die gut angebunden oder nah am Zentrum liegen. Das scheint in Brüssel nicht der Fall zu sein. Ein gut gelegener Platz gibt sich hier nicht mit schäbigen Zelten ab, ein recht zentraler Platz ist laut Kommentaren eher Drogenumschlags- und Konsumort oder schon direkt geschlossen. Und die restlichen Optionen liegen sehr weit außerhalb. Hotels gibt es dagegen reichlich und so habe ich mich für ein festes Dach über dem Kopf entschieden. Gleichzeitig bietet Brüssel viel für Kultur und Freizeit, sodass ich gleich zwei Tage hier einplane. Denn gleich nebenan ist die Flixbus-Haltestelle und es gab noch Tickets inklusive Fahrradtransport. Ich hoffe, das funktioniert so wie ich mir das vorstelle.
Jedenfalls war es heute eine entsprechend kurze Etappe bis zu meinem Hotel, sodass ich sogar noch etwas Zeit für die Innenstadt hatte. Der Grote Markt ist gesäumt von gotischen Bauwerken wie dem Rathaus und dem Stadtmuseum und wirkt sehr eindrucksvoll. Das Wahrzeichen der Stadt, der Junge ohne Schamgefühl ging dagegen fast unter. Wenn da nicht die Horden an Touristen gewesen wären, die für Fotos anstanden. Allgemein war viel los in der Stadt, an diesem Samstag, sodass ich mich irgendwann aus dem Getümmel zurückzog. Morgen steht dann Politikkunde auf dem Plan, wenn es Richtung Europäisches Parlament geht. Und das Atomium will auch noch besichtigt werden!

Viel Gotik am Marktplatz
P.S. Morgen gibt es keinen Eintrag, aber am Montag noch eine kurze Zusammenfassung. Stay tuned.
eleuler am 31. August 24
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Etappe 16 Ypern nach Gerhardsbergen
Radreisen sind ein schönes Mittel um ein Land zu bereisen. Anstatt einfach auf der Autobahn zum Zielort zu brettern, erlaubt die Reisegeschwindigkeit auf dem Drahtesel auch Details am Wegesrand wahr zu nehmen. Wie z.B. das eindrucksvolle Denkmal, das an die Verteidigung des Landes gegen die Preußen im ersten Weltkrieg erinnert. Hier hab ich heute meine Frühstückspause eingelegt und nebenbei noch etwas Geschichte gelernt. Nur eins sind Radreisen nicht: Komfortabel. Vor allem zu Beginn rebelliert der gesamte Bewegungsapparat, es sei denn man trainiert vorher (was ich meist nicht tue) oder man lässt es ruhig angehen (was ich nie tue). Und auch das ständige Auf- und Abbauen seiner Sachen ist nicht gerade spaßig. Da ist es natürlich viel bequemer, seinen gesamten Hausstand ins Wohnmobil oder den Wohnwagen zu laden und auf nichts im Urlaub verzichten zu müssen. Aber etwas Unbequemlichkeit ist vielleicht auch gar nicht mal so schlecht. Ich freue mich z.B. auf mein eigenes Bett, darauf nicht jeden Tag die Wäsche und den Abwasch per Hand machen zu müssen und auf die restlichen Annehmlichkeiten, die man daheim so hat. Auf diese Weise weiß man diese Dinge auch wieder mehr zu schätzen.
Meine Etappe heute verlief streng Richtung Osten durch das Belgische Flandern. Hügelige Abschnitte wechselten sich mit flachen ab. Ab und zu radelte ich auf sogenannten Jaagpads an Flüssen oder Kanälen entlang. Diese Wege wurden früher genutzt, um mit Pferden die Schiffe über die Wasserstraßen zu ziehen. Sie verlaufen immer noch meist direkt am Ufer entlang und erlauben ein zügiges Vorankommen. Es sei denn man verliert seinen wichtigsten Verbündeten wie ich heute. Gestern noch auf meiner Seite drehte der Wind auf Nordost und blies mir wieder kräftig entgegen. Nach knapp 100 km reichte es mir daher und ich hab mich entkräftigt geschlagen. Immerhin muss ich heute nirgends mehr hin, auf meinem Campingplatz gibt es einen kleinen Laden, der für meine Grundversorgung ausreichend ist. Morgen geht es dann weiter Richtung Brüssel.

Warum starte ich eigentlich immer so früh? Unter anderem darum!
eleuler am 30. August 24
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Etappe 15 Canterbury nach Ypern
Die EU hat mich wieder und Molly hat wieder Festlandasphalt unter den Hufen! In der Warteschlange zur Fähre traf ich ein paar Bikepacker, die aus London kommen. Auf die Frage, wie sie denn hier her gekommen sind war die Antwort: Mit der Bahn natürlich! Mit dem Rad wär das ja ziemlich furchtbar. Gut, dass das geklärt ist. Wenn selbst die Einheimischen zum Radeln lieber ins Ausland fahren... Sie freuen sich jetzt zumindest auf niederländische und deutsche Radwege. Es sei ihnen vergönnt.
Auf der Fähre musst Molly diesmal mit der Gesellschaft von LKWs vorlieb nehmen, während ich auf dem Sonnendeck dabei zusah, wie die Steilklippen Südenglands immer kleiner und kleiner wurden und schließlich ganz hinter dem Horizont verschwanden. Auf der anderen Seite kam Frankreich schnell in Sicht und nach dem Anlegen durfte alles mit zwei Rädern zuerst von Board. Und es fühlte sich ein ganz klein wenig wie heimkommen an: Vertrauter Rechtsverkehr, gute Straßen und Radwege und selbst der Wind verbündetet sich kurzeitig mit mir und schon mich vorwärts. Da sich letzteres schon morgen wieder ändern soll fuhr ich noch länger als sonst gen Westen und fand schließlich in Ypern eine Bleibe für eine Nacht. Dabei stellte sich heraus, dass die Innenstadt so einiges zu bieten hat. Neben vielen gotischen Bauten auch eine enorm große Kathedrale. Und die Innenstadt ansich wirkte unglaublich lebendig und lebenswert. Hier könnte man sicher auch mal mehr Zeit verbringen...

Was eine Kathedrale!
eleuler am 29. August 24
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